Mittwoch, 04. Februar 2026 pro Troisdorf-Interview zum Unternehmer-Frühstück bei Stadtwerke Troisdorf und TroiKomm-Holding

Verlässlicher Lieferant und Partner in volatilen Zeiten. Interview mit Andrea Vogt und Michael Roelofs (Geschäftsführung).

Stadtwerke Troisdorf und TroiKomm-Holding stellen sich am 5. Februar bei einem Unternehmer-Frühstück des Unternehmer-Clubs pro Troisdorf und der Wirtschaftsförderung TROWISTA vor. Mit der Geschäftsführung Andrea Vogt und Michael Roelofs sprachen pro Troisdorf-Vorstandsvorsitzender Christian Seigerschmidt und Carsten Seim, avaris | konzept, über Zukunftsprojekte, Herausforderungen der Gegenwart und die Frage, warum die Stadtwerke Troisdorf als Energielieferant eine attraktive Option für gewerbliche Kunden sind.

Frau Vogt, Herr Roelofs, Sie haben Ihrem jüngsten Geschäftsbericht die Überschrift „Transformation als Chance“ gegeben. Was steckt dahinter?

Michael Roelofs: Die Transformation, die auch wir als TroiKomm durchlaufen, ist durch Gesetze und den politischen Rahmen in Deutschland und Europa vorgegeben. Wir haben Zeitziele für die Dekarbonisierung – in Deutschland bis 2045, europaweit bis 2050. Das ist gerade für unsere Branche eine große Herausforderung.

Andrea Vogt: Es ist eine Frage der Haltung, wie wir damit umgehen. Wir wollen nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Welt hinterlassen. Deshalb sehen wir Transformation als Chance. Daraus ergeben sich viele sinnstiftende Aufgaben. Wir geben unser Bestes.

Die Stadtwerke sind schon seit 1904 in Troisdorf präsent. Warum ist das auch heute noch wichtig?

Vogt: Wir sind über die Energie- und Wasserversorgung hinaus tief im Stadtleben verwurzelt. Wir fördern Vereine, Kultur und Brauchtum. Wir unterstützen auch das beliebte AGGUA-Freizeitbad, das 2024 seine 10-millionste Besucherin begrüßte. Das AGGUA sichert Lebensqualität in Troisdorf und ist unter Aspekten des Employer-Brandings auch ein Faktor für Unternehmen, die Mitarbeitende nach Troisdorf holen oder in der Stadt halten möchten.

Roelofs: Wir kümmern uns auch um die Aufbereitung der Abwässer sowie um Parkhäuser und die Breitbandverkabelung. Alles aus einer Hand – im Gebäude der Stadtwerke, wo das Unternehmerfrühstück stattfindet, sitzen alle Ansprechpartner an einem Ort.

Alles aus einer Hand und Vernetzung vor Ort – was bringt das für unsere Stadt und ihre Wirtschaftsakteure?

Vogt: Die Vielfalt unserer Aktivitäten und unser vernetztes Handeln haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich beispielsweise das DHL-Innovation-Center in Troisdorf-Mitte und nicht etwa in Köln niedergelassen hat. Wir konnten die Ladeinfrastruktur, den Parkraum und den Veranstaltungsort Stadthalle in direkter Nachbarschaft anbieten. 

Für die Firma Harry Brot haben Sie 2024 in kürzester Zeit eine drei Kilometer lange Gasleitung realisiert, um den erhöhten Energiebedarf der Backöfen zu decken.
Wie ist das gelungen?

Roelofs: Wir haben uns umfassend um die erforderlichen hochkomplexen Genehmigungsverfahren gekümmert – dabei hat auch unser kommunales Netzwerk mit dem Rhein-Sieg-Kreis sehr geholfen. Das wäre mit einem externen Gasversorger ohne regionale Einbindung so wohl nicht gelungen. Wir hatten durch eine geschützte Specht-Art mit langer Brutzeit an der Bautrasse auch nur ein sehr kurzes Zeitfenster für den Bau. Dank unserer sehr guten Vernetzung waren wir in der Lage, alles fristgerecht fertigzustellen.

Vogt: Ein weiteres Beispiel ist die Firma Baucon Immobilien Management. Sie baut an der Mülheimer Straße eine privat finanzierte Dreifach-Sporthalle sowie Gastronomie und Büros. Vom Verkauf durch die TroPark bis zu den Anschlüssen haben wir für den Bauherren Frank Stommel alles aus einer Hand abgewickelt. Das hat das Bauvorhaben sehr beschleunigt. Wir machen Dinge passend, die externe Akteure womöglich nicht schaffen. Das ist ein Vorteil für gewerbliche Kunden.

Roelofs: Wir sind Teil dieser Stadt. Und an unsere Kunden oder solche, die es werden möchten, wenden wir uns mit der Botschaft, dass es nur gemeinsam geht. Das vermitteln wir auch über unsere Internet-Plattform TroWow. eder, der sich registriert, kann auch AGGUA-Tickets buchen ... SWT-Kunden bekommen diese vergünstigt und das macht den Unterschied! Wir haben weitere regionale Anbieter auf unsere Plattform eingeladen. Gemeinsam profitieren alle von den hohen Klickraten auf diesen Seiten – auch Unternehmen.
Cash-Cows der Stadtwerke sind Gas und Strom. Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Unternehmens in einem zunehmend dekarbonisierten Umfeld?

Vogt: Wir sind uns angesichts der politischen Vorgaben darüber im Klaren, dass das Geschäft mit Erdgas abnehmen wird. Deshalb beschäftigen wir uns unter anderem intensiv mit technischen Alternativen für die Wärmewende – zum Beispiel Geothermie in Neubaugebieten. Damit müssen wir auch in Bestandsgebiete hinein. Die Stadt hat uns beauftragt, bis Mitte 2028 die kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Dabei geht es auch um technische Lösungen, die man den Kunden anbieten kann.

Sie bieten über das Mieten von Photovoltaikanlagen hinaus auch das Pachten von Heizungen und Wärmepumpen an.Ist das auch eine Option für den gewerblichen Bereich?

Roelofs: Das ist möglich! Wir haben eine vergleichbare Kooperation mit dem global aktiven Troisdorfer Hersteller von Trägermaterial für Schleifscheiben, Dynos GmbH. Für dieses Unternehmen betreiben wir eine erdgasbasierte Dampfkessel-Anlage, die Dampf für die Produktion bereitstellt. Ein solches Pacht- oder Mietmodell schont die Liquidität des Unternehmers und sichert zugleich die technische Betreuung durch unseren Service.

Viele Unternehmen in Troisdorf können komplexere Wärmeanlagen natürlich auch kaufen. Doch über die Erstinvestition hinaus müssen solche Anlagen auch gewartet werden. Hier stehen wir als Stadtwerke Troisdorf mit ortsnahem Service bereit. 24/7-Serviceansprechpartner in der Nähe wünschen sich viele Unternehmer. Wir bauen auch gern Anlagen und sind hier in Gesprächen für Verwaltungsobjekte. Bei Industriebetrieben sind wir aktuell eher als Dienstleister aktiv.

Gibt es weitere Geschäftsmodelle mit Zukunftspotenzial?

Roelofs: Im privaten Sektor haben wir in Neubaugebieten zehn Jahre Erfahrung auf dem Feld nachhaltiger Wärmekonzepte in Neubaugebieten. Nun nehmen wir auch Bestandsgebiete in den Blick. Eine Vorgehensweise ist, ein solches nachhaltiges Nahwärme-Konzept für eine Anker-Immobilie zu entwickeln und von dort aus zu prüfen, wen wir in der Umgebung noch für dieses Konzept gewinnen können. Wir sind dazu in Gesprächen bezüglich verschiedener großer Objekte.

Wir haben die Aufgabe, mit unserer Leitungsinfrastruktur in Troisdorf bis 2045 den entsprechenden Anteil zur Klimaneutralität zu leisten. Es gibt unterschiedliche technische Arbeitsfelder auf dem Weg zu diesem Ziel: E-Mobilität, Photovoltaik, Erdwärme, Einsatz von Batteriespeichern beispielsweise. Wir müssen für Troisdorf gegenwärtig prognostizieren, was dafür bis 2045 alles nötig sein wird. Wir müssen JETZT darüber entscheiden, was dann die richtige Infrastruktur dafür sein wird! Genau kann natürlich niemand wissen, wie viel elektrische Leistung in 5, 10 oder 20 Jahren benötigt wird.

Vogt: Daher haben wir unsere Investitionen für das Stromkabelnetz in den letzten Jahren nahezu verdreifacht.

Roelofs: Wir gehen mit teilweise sehr hohen Investitionen ins Risiko. Denken Sie an die Elektromobilität. Vor fünf Jahren hatte man Prognosen, die so nicht eingetroffen sind! Es sind auch in Troisdorf viel weniger E-Mobile unterwegs als damals angenommen. Ähnlich ist das auch bei der Photovoltaik. Wir müssen hohe Investitionen tätigen, die erst langfristig Nutzen entfalten. Wir bewegen uns hier in politischen Rahmenbedingungen, die sich immer wieder sehr schnell ändern. Dabei ist etwa der Umbau der Strom-Infrastruktur eine Generationenaufgabe.

Vogt: Technisch ist das alles machbar. Doch derzeit warten wir auf das politische Berlin. Der Rahmen, in dem all das realisiert werden kann, ist noch nicht klar entschieden. Wie sieht beispielsweise künftig das Verhältnis zwischen individueller Förderung und einer Quartierslösung aus? Was ist mit dem Heizungsgesetz? Der politische Rahmen muss klar sein, damit wir Investoren sagen können, wie und wann sich eine solche Lösung rechnet.

Sie präsentieren Ihren Unternehmensverbund im Zuge des Unternehmerfrühstücks bei einem „Markt der Möglichkeiten“. Welches Anliegen verbinden Sie damit?

Roelofs: Wir präsentieren unser Engagement „aus einer Hand“ in vier Themeninseln. So wird sich auch das AGGUA präsentieren. Wir zeigen damit, dass wir über unser Leistungsangebot im engeren Sinne dafür sorgen, dass Troisdorf eine lebenswerte Stadt ist, in der Menschen und damit auch Mitarbeitende sich wohlfühlen. Auch der Abwasserbetrieb präsentiert sich. 

Vogt: Abwasserentsorgung als Teil der Daseinsvorsorge hat stark an Gewicht gewonnen, auch weil Starkregenereignisse zunehmen. Wir treffen zum Beispiel über Stauräume Vorkehrungen dafür. Auch Unternehmen sollten hier vorsorgen. Dafür bieten wir Beratungen an.

Roelofs: Eine dritte Themeninsel der TroiLine informiert über den Breitbandausbau. Auch sehr große Kunden in Troisdorf nutzen unser Breitbandangebot. Zum Teil verschaffen wir ihnen Zugang über unser Glasfasernetz und kooperieren dabei mit überregionalen Anbietern wie Vodafone oder Telekom.

Vogt: Wir sind in Troisdorf beim Glasfaserausbau weit vorn. Das war politisch gewollt: Man wollte nicht warten, bis private Anbieter diese Infrastruktur schaffen. Heute ist das ein Standortvorteil für diese Stadt. Auch fast alle Schulen sind inzwischen mit Glasfaser angeschlossen.

Roelofs: Und in einer vierten Themeninsel stellen wir uns als Stadtwerke mit unserem Geschäftskunden-Portfolio vor. Wir informieren über Gas- und Stromlieferverträge, aber auch über unsere E-Ladestruktur für Unternehmen. Hier gibt es schon seit längerem verschiedene Modelle: Wir verkaufen komplette Ladeinfrastrukturen oder betreiben diese auch nur. Natürlich können sich Gewerbekunden auch über Pachtmodelle für Gasthermen und Wärmepumpen oder Mietvarianten für Photovoltaik-Anlagen informieren.

Finale Frage: Warum soll ich mich als mittelständischer Unternehmer von den Stadtwerken Troisdorf mit Gas und Strom beliefern lassen?

Roelofs: Unsere erste Stärke ist: Wir sind physisch vor Ort und greifbar, wenn es Probleme gibt. Unsere Ansprechpartner stehen bereit. In der Energiekrise hatten beispielsweise Unternehmen, die sich Lieferanten
j. w. d. gesucht hatten, plötzlich mit Lieferausfällen zu kämpfen. Viele waren froh, dass wir als Lieferanten mit Ad-hoc-Lösungen eingesprungen sind.

Vogt: Wir sind nicht immer die günstigsten. Aber wir sind immer da! Das gilt für Gas- und Stromlieferungen, aber auch für die Lösung technischer und netzregulatorischer Probleme. Wir werden und können nicht die Natürlich können sich Gewerbekunden auch über Pachtmodelle für Gasthermen und Wärmepumpen oder Mietvarianten für Photovoltaik-Anlagen informieren. sein, weil wir marktunabhängig stets für alle da sein müssen. Als verlässlicher Lieferant sorgen wir für Krisenresilienz.

Interview: Christian Seigerschmidt, Carsten Seim

pro Troisdorf-Fact Sheet: TroiKomm und Stadtwerke Troisdorf

TroiKomm GmbH: Die TroiKomm GmbH bündelt die wirtschaftlichen Aktivitäten der Stadt Troisdorf. Neben verschiedenen Minderheitsbeteiligungen ist die TroiKomm Mehrheitsgesellschafterin der Stadtwerke Troisdorf GmbH (60 Prozent) und alleinige Gesellschafterin der AGGUA Troisdorf GmbH (Freizeitbad + Saunalandschaft), der für den öffentlichen Parkraum zuständigen öPA GmbH, der TroiLine GmbH (lokaler Glasfaserausbau) und der Immobilienentwicklungsgesellschaft TroPark GmbH (Revitalisierung und Entwicklung von Industrie und Gewerbeflächen).

Gesamtumsatz 2024: 282,3 Millionen Euro. Jahresüberschuss: 3,969 Mio. Euro.

Geschäftsführung: Diplom-Volkswirtin Andrea Vogt ist seit April 2013 Geschäftsführerin der TroiKomm, kommunale Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH, und der Stadtwerke Troisdorf sowie Vorstandsvorsitzende des Abwasserbetriebs Troisdorf AöR. 1994 wechselte sie nach erfolgreichem Steuerberaterexamen von der Ernst & Young Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft mbH, wo sie als Prüfungsleiterin tätig war, als kaufmännische Abteilungsleiterin zu den Stadtwerken Troisdorf.

Diplom-Ingenieur (Elektrotechnik) Michael Roelofs gehört der Geschäftsführung seit 2019 an. Roelofs ist zudem seit 2022 Vorstand des Abwasserbetriebes Troisdorf, AöR. Zuvor war er Leiter der Netzregion Bremervörde/Seevetal bei der EWE Netz GmbH (Netzbau und -betrieb für Strom-, Gas-, Wasser- und Breitbandnetze im Weser-Elbe-Dreieck) sowie Geschäftsführer der HeideNetz GmbH Munster (Stromnetz).

Markt der Möglichkeiten: wichtige Akteure

Stadtwerke Troisdorf

1904 gegründet. Lieferant für Strom, Gas, Wasser und Wärme. Maßgeschneiderte Energielösungen für Geschäftskunden, persönliche Beratung und hohe Versorgungssicherheit.

• Versorgungsgebiet: 62 km2 mit 79.415 Einwohnern (2024)

• Strom – Kabelnetz: 1.004,5 km, 36,5 km Freileitungsnetz. 19.252 Hausanschlüsse.

• Gas: 286,5 km Leitungsnetz (Hauptrohre), 14.646 Hausanschlüsse (2024).

www.stadtwerke-troisdorf.de

AGGUA TROISDORF

Moderner Freizeit- und Erlebnisstandort für Familien sowie Unternehmen und Organisationen. Vielseitige Bade- und Sportlandschaft – ideal für Mitarbeiter-Incentives. Highlight für Geschäftskunden: die AGGUA Sauna & Lounge, ausgezeichnet mit dem Qualitätssiegel SaunaPremium des Deutschen Sauna-Bundes. 2024 feierte man die 10-millionste Besucherin.

www.aggua.de

Troiline GmbH

Unter dem Markennamen JETI (Maskottchen in Gestalt eines Schneemenschen) treibt die Troiline als regionaler Telekommunikationsdienstleister den flächendeckenden Glasfasernetz-Ausbau in Troisdorf voran (Highspeed-Internet). Business-Tarife, persönlicher Service und kurze Entscheidungswege für Unternehmens- und Privatkunden.

www.jeti-line.de

Abwasserbetrieb Troisdorf, AöR (ABT)

Diese selbstständige Einrichtung der Stadt Troisdorf ist für die Stadtentwässerung zuständig. Sie betreibt die Kläranlage Müllekoven und das rund 350 Kilometer lange Kanalnetz mit zahlreichen Sonderbauwerken. Zusätzlich verantwortet der ABT die Straßenbeleuchtung in der Stadt. Der Abwasserbetrieb Troisdorf trifft auch Vorkehrungen, um Starkregenereignissen zu begegnen.

www.abwasserbetrieb-troisdorf.de

TroWOW-Plattform

Digitale Erlebnis- und Vorteilswelt der Stadtwerke. Hier finden registrierte Kunden exklusive Rabatte, Sonderaktionen, VIP-Events und attraktive Gewinnspiele. Die Plattform www.trowow.de bündelt Angebote im Energie-Onlineshop, beim Erlebnisbad AGGUA und bei regionalen Partnern.

www.trowow.de

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